Aussendung an Medien (Jan 2006):

Es kommt etwas in Bewegung, das mit der Berichterstattung in div. Medien eine unkontrolierbare Eigendynamik bekommen wird. Aus diesem Grunde möchte ich die Menschen davon in Kenntnis setzen, die in irgendeiner Art und Weise mit dem Thema Fehlgeburt bzw Abbrüche, sei es am Wiener Babygrabfeld oder als Kanalräumer oder bei der EBS zu tun haben - denn mein Schicksal ist kein Einzelfall - und es muß im Sinne aller einiges im Umgang mit diesem Thema  verändert = verbessert werden.
Der zeitliche Aufhänger zur Berichterstattung könnte sein die Begräbnistermine am Wiener Babygrabfeld: jeweils am ersten Freitag im März, im Juni, im September und im Dezember den Text dazu habe ich rot unterlegt.
Nun zu meiner Geschichte - der Text kann vor Abdruck verändert werden, solange die Geschichte (der Inhalt) nicht verändert wird:

auf www.glueckloseschwangerschaft.at steht: 3 von 4 Frauen erleben die Geburt eines nicht beerdigungspflichtigen Kindes
Kinder mit einem Gewicht von unter 500 Gramm gelten seit 1997(?) als nicht existent, als nicht beerdigungspflichtige Kinder - in den Jahren davor galt 1000 Gramm als Grenze

Meine Geschichte: 1960 Geboren, wurde ich 1976, 1979, 1980, 1983 und 1987 schwanger.

Auf meine Tochter Johanna wurde ich 1979 schwanger, nachdem ich meine Tochter Barbara im Juni 1976 "verloren" hatte.
Von Zeugung an fühlte ich bei allen Kindern, das mein Körper schwanger war. Ich fieberte dem Termin entgegen, bis ich endlich einen Schwangerschaftstest anwenden konnte, denn für meine Gefühle brauchte ich diese Bestätigung vor Augen....

Ich war glücklich, denn ich wollte bewußt früh Kinder haben, da ich an der Wirbelsäule behindert geboren worden war - und ich schon als Kind wußte: noch bevor ich 30 Jahre alt werde, steht mir eine sehr große Operation an meiner Wirbelsäule bevor. infolgedessen ich sterben, im Rollstuhl landen, ab Hals abwärts gelähmt - und daher für den Rest meines Lebens ans Bett gefesselt sein konnte.
Ich wollte aus eben diesen Gründen sehr früh und sehr bewußt Mutter werden.

Da ich von Anbeginn Kontakt aufnehmen konnte von Herz zu Herz mit meinen ungeborenen Kindern, welche ich unter dem Herzen trug, wußte ich recht bald um das Geschlecht und den Namen meines Kindes, welches ich unter meinem Herzen trug.

In etwa der 9. Schwangerschaftswoche zu Johanna wurde mein Herz unruhig, denn ich nahm innerlich wahr, das irgendetwas mit meiner Tochter nicht stimmte. Je mehr ich mich mit dieser wahrnehmung befasste, je klarer wurde mir, das es in Verbindung mit ihrer Wirbelsäule sein mußte.
Von Herz zu Herz sprach ich meine Tochter genau darauf an...und ich überlies es Ihr, in diese Welt zu kommen...oder von dieser Welt (zurück zu dem Ort, woher Sie gekommen war) zu gehen.

Ich hatte viel zu tun - war gerade beim Arzt gewesen, der gesagt hatte nach dem Ultrschall, dass alles in Ordnung sein...ich fuhr auf Urlaub zu meinen Eltern, denn ich hatte ein paar Tage frei.
Ich nahm mein ungeborenes Kind nicht mehr wahr, und ich drückte diese Wahrnehmung weg bzw erklärte mir rational: jeder hat mal eine Stille Phase, ind er er sich bewußt zurückziehen will. Dein Kind ist in Dir, Du warst gerade beim Arzt, der hat gesagt: deinem ungeborenen Knd geht es sehr gut.

Meine Eltern hatten ein Haus mit Garten am Waldesrand.
Eines Tages - ich war allein im Haus - hatte ich Unterleibsschmerzen: Diese Wahrnehmung kam mir sehr vertraut vor, denn ich war als Kind und Jugendliche des öfteren verstopft - dementsprechend ging ich auf das WC.

Aus mir heraus flutschte etwas - und meine Schmerzen waren schlagartig weg.
Ich stand auf, und besah mir irritiert, was da soeben wohl passiert sein mochte. In der weißen - klinisch rein geputzten - WC Muschel lag in Embryostellung mein Tochter! Mit einem überaus friedlichen Gesichtsausdruck. Ich besah sie mir von allen Seiten und in aller Ruhe. Da war nichts zu sehen von einem "Zellhaufen", sondern hier lag ein friedlich schlafendes Menschlein, das ausgestreckt vielleicht 10 cm lang war.

Mit winzigen Füsschen und Händchen dran - aber formvollendet: ein wunderschönes Menschenkind.

Der Rücken war gespalten: von der Halswirbelsäule bis zum Kreuz. Spina Bifida. Ich konnte die Entscheidung meiner Tochter verstehen und akzetieren, das Sie gegangen war, denn mit diesem Körper hätte Sie die Geburt vermutlich nicht überlebt....selbst, wenn sie die Geburt überlebt hätte: was für ein Leben hätte Sie erwartet?

Was nun? Babygrabfelder - das wußte ich aus meiner Erfahrung mit meiner Tochter Barbara aus dem Jahr 1976 gab es nicht, denn so kleine Kinder haben keine Rechte. Kein Recht auf gesehen zu werden. Kein Recht auf einen Namen. Kein Recht auf ein Dokument. Kein Recht auf ein Grab. Da Sie als nicht bestattungspflichtig galten, machte sich an diesen Kindern auch kein Bestattungsunternehmen die Finger dran dreckig....

Meine Eltern hatten den Garten - doch wie Tief das Knd begraben, auf das es vor dem Aufgefressen werden durch Wildtiere sicher ist?
Wenn kann ich fragen?
Da ich auf meine Fragen keine Antworten wußte, machte ich eines: ich verabschiedete mich von meinem Kind, drückte den Knopf und zusammen mit Trinkwasser verschwand mein Kind in der Kanalisation...

Seit dem Jahr 2001 gibt es Babygrabfelder - zB das am Wiener Zentralfriedhof nahe bei Tor 3. Es finden Bestattung der Leichenasche der nicht beerdigungspflichtigen Kinder jeweils am ersten Freitag im März, im Juni, im September und im Dezember, um 8.30 Uhr statt.

Aber es gelangen noch lange nicht alle Fehlgeburten bzw Kinder nach Abtreibungen (sogenannte Abbrüche) an diesen wunderbaren Ort. Ich verstehe es nicht: warum nicht - da der Mensch doch auch in unserer Kultur von Zeugung an da ist und wir alle an seine Existenz von Zeugung an glauben!

Ich bin ich Kontakt getreten mit der Bestattung Wien - und gemeinsam konnten wir im Dezember 2005 eine Gedenkfeier anbieten im Zuge einer worldwide-candle-lighting - Bewegung der mitfühlenden Freunde. ! - 1,5 Millionen Kerzen brannten an jenem 2. Sonntag im Dezember - entzündet von Angehörigen vorausgegangener Kinder. Frauen, welche vor kurzem die Fehlgeburt ihres Kindes in Wien und Umland erlebt hatten, berichteten davon, dass es sehr viele Probleme gab und gibt.
Eine rang darum, dass ihr Kind auf das Babygrabfeld kam - denn die Klinik stimmte der Überführung nicht zu. Wer bietet einer Klinik parolie? Warum ist es nicht selbstverständlich, dass alle nichtbeerdigungspflichtigen Kinder - unabhängig von der Todesursache - einer Beerdigung auf einem Friedhof zugeführt werden?

Eine andere sagte: ich wußte bis zum Schluß nicht, wen ich frage könne, ob mein Kind bei dieser - oder bei der nächsten Sammelbeerdigung dabei sein würde.

Ein Herzensanliegen ist auch folgender Punkt: Kremierungen können auch für Katzen und Hunde (also kleine Leichen) stattfinden - warum müssen unsere Kinder sooo lange auf ihre Beerdigung warten?

Ein paar Links mit ergänznden Informationen:
weltweite Trauerfeier
http://www.beepworld.de/members80/weltweite-trauertage/2005europa.htm

positiver Umgang mit nicht beerdigungspflichtigen Kindern, Angehörigen - nachmachen ausdrücklich erlaubt
http://www.beepworld.de/members80/weltweite-trauertage/2006.htm

es gibt sogar schon groß angelegte Konferenzen durchgeführt durch mitfühlende Freunde
http://www.beepworld.de/members80/weltweite-trauertage/2009.htm

am 24.1.2005 kam auf ORF 2 in Kreuz und Quer die Dokumentation "Wir adoptieren einen Embryo" (Soviel zum Thema "es ist doch nur ein Zellhaufen" - Wir alle sagen: der Mensch ist von Zeugung an.
Und um mit den Worten von Martin Abler, Klinikseelsorger abzuschließen: Die Würde ist gewichtslos

MFG
Gunnhild Feni Tegenthoff
Onlinemagazin
www.sonnenstrahl.org

 

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